Auf den Fuchs gekommen

Update:

Es gibt gute Nachrichten­čśâ

Folgende NABU-Verb├Ąnde teilen bislang unsere Position gegen die Fuchsjagd:

L├╝neburg
Heidekreis
M├Ânchengladbach
Bottrop
Euskirchen

Gemeinsam machen wir uns weiter f├╝r den Fuchs und die anderen Beutegreifer stark.
Unser herzliches Dankesch├Ân gilt dem Kreisverband Borken f├╝r seine Unterst├╝tzung.

Bitte unterschreiben und teilen Sie die Petition zum Verbot der Schliefenanlagen in NRW.
Eine solche Anlage befindet sich auch in Rhede-Vardingholt.

Autoren: Gabi Joormann und Martin Steverding

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Ausgerechnet der Fuchs hat unser Herz erobert. Begonnen hat alles mit einem Video von G├╝nther Schumann (gestorben 2014), der im Reinhardswald Freundschaft mit der Jungf├╝chsin Feline schlie├čt. Diese begleitet ihn 11 Jahre und gew├Ąhrt ihm einzigartige Einblicke. F├╝r uns im M├╝nsterland ist der Fuchs geheimnisvoll. Wir sehen ihn nicht und doch ist er da, er macht sich unsichtbar f├╝r uns. Es gibt nur wenige, die Meister Reineke hier gesehen oder gar spielende Welpen vor dem Bau beobachtet haben. Ganz anders sieht es in anderen Gegenden aus:

Ein Maiabend auf einer Waldwiese im Hunsr├╝ck in Rheinland-Pfalz: Die Sonne ist gerade hinter den B├Ąumen verschwunden, es ist noch taghell. F├╝nf erwachsene F├╝chse patrouillieren zeitgleich ├╝ber die frisch gem├Ąhte Wiese. Immer wieder h├Ąlt einer von ihnen inne, richtet die Ohren nach vorn, spannt sich an, konzentriert sich, springt in hohem Bogen und packt die Maus. Die kleine Beute wird kurz durchgekaut und verschlungen und weiter geht die Jagd. H├Ąufig kommen sich die F├╝chse gegenseitig nahe, begegnen sich, beschnuppern oder begr├╝├čen sich und jagen jeder f├╝r sich weiter ÔÇô keine Streitereien, keine erkennbare Aggression.

In den dortigen W├Ąldern gibt es viele F├╝chse und sie halten sich nicht so versteckt wie bei uns. Wiesen, Schneisen und Windwurffl├Ąchen sind ein Paradies f├╝r M├Ąuse, zahlreiche Beutegreifer wie Fuchs, Marder, M├Ąusebussard und Waldkauz finden ihr t├Ąglich Brot. F├╝r die Forstwirtschaft sind die vielen M├Ąusej├Ąger ein Segen, ein Fuchs vertilgt durchschnittlich etwa 4.000 M├Ąuse j├Ąhrlich. Auch im M├╝nsterland sind sie eine gro├če Hilfe f├╝r Land- und Forstwirtschaft, doch wird dieser kostenlose Dienst hier kaum respektiert. Stattdessen wird der Fuchs mit allen nach Jagdgesetz legalen aber tierschutzwidrigen Methoden gejagt, weshalb er nachaktiv und kaum sichtbar ist. Mit Hunden, die in sogenannten Schliefenanlagen am lebenden Fuchs abgerichtet wurden, werden sie aus dem Bau getrieben und bei der Flucht erschossen. Wenige Wochen alte Welpen werden am oder im Bau mit Gewehr, Hund oder Kn├╝ppel get├Âtet etc.

Sofern sie von den J├Ągern unentdeckt bleiben, verlassen die Jungf├╝chse in der f├╝nften Lebenswoche erstmals ihre Kinderstube und machen Erkundungsausfl├╝ge. Sie lernen viel von ihren Eltern und suchen sich nach etwa drei Monaten ihr eigenes Revier. F├╝chse jagen zwar einzeln, aber sie leben in komplexen Sozialstrukturen. Wo sie nicht gejagt werden, bekommen nur die ranghohen F├Ąhen (F├╝chsinnen) Nachwuchs und die W├╝rfe sind klein ÔÇô wie gut die Selbstregulation funktioniert, beweisen fuchsjagdfreie Gebiete wie Luxemburg, das Schweizer Kanton Genf und die D├╝nengebiete Nordhollands. Unter Jagddruck werden die Sozialstrukturen fortw├Ąhrend zerst├Ârt, fast alle F├Ąhen vermehren sich und bekommen gr├Â├čere W├╝rfe.

Hartn├Ąckig h├Ąlt sich die M├Ąr, dass die Jagd die Krankheiten der F├╝chse bek├Ąmpfen w├╝rde. Das Gegenteil ist der Fall: Durch die Jagd gibt es viel mehr umherwandernde Jungtiere, die die Krankheiten und Parasiten schneller verbreiten als im relativ stabilen Reviergef├╝ge ohne Jagd. Der Befall mit Fuchsbandw├╝rmern halbierte sich in Luxemburg seit der Einstellung der Fuchsjagd im Jahr 2015. Die Tollwut wurde ├╝brigens nicht durch die Jagd erfolgreich bek├Ąmpft, sondern durch den Abwurf von Impfk├Âdern aus der Luft.

Eine deutliche Bev├Âlkerungsmehrheit von 70 % der Deutschen lehnt die Fuchsjagd ab, weniger als 10 % bef├╝rwortet sie und etwa 20 % haben keine klare Meinung – das ist das Ergebnis einer repr├Ąsentativen Umfrage von Sophia Kimmig im Auftrag des Deutschen Instituts f├╝r Wirtschaftsforschung.

Der Fuchs l├Ąsst uns nicht mehr los, jedoch selbst bei intensiver Suche nach Spuren, bei abendlichen Ansitzen mit der W├Ąrmebildkamera etc. gelingen nur wenige Begegnungen. Er h├Ąlt sich gut versteckt – nur verst├Ąndlich, denn das ist seine Lebensversicherung. Ganz sch├Ân ausgefuchst, unser Fuchs.

Wir haben uns wie er schlau gemacht und uns eingehend mit seiner Biologie, seinem Sozialverhalten, seiner Beziehung zu den Menschen, ├╝ber Sinn und Unsinn der Fuchsjagd, verschiedene Jagdpraktiken, Wiesenvogelschutz und Pr├Ądatorenmanagement, Tierschutzrecht und Ethik befasst und zahlreiche Studien dazu gelesen. Die wissenschaftliche Erkenntnislage lie├č f├╝r uns nur den Schluss zu, sich als Kreisverband deutlich gegen eine Bejagung des Fuchses auszusprechen. Wir setzen uns weiter daf├╝r ein, dass eines unserer sch├Ânsten und spannendsten heimischen Wildtiere wieder in unseren W├Ąldern sichtbar und erlebbar wird, ganz zu unserer Freude und der unserer Kinder, denn seit jeher z├Ąhlt der Fuchs zu ihren Lieblingstieren.

Petition: Verbot von Schliefenanlagen in NRW | Tierqu├Ąlerei mit lebendigen F├╝chsen stoppen!

Positionspapier des NABU KV BOR zur Fuchsjagd (PDF-Download)

Gabi Joormann & Martin Steverding