Die gute Mahd als landwirtschaftlich fachliche Praxis

Im Moment erweist sich das Münsterland sonnig und als erfreulich frühjahrsgrüne Landschaft. Wandern, Spazieren und Radfahren sind so besonders angenehme Tätigkeiten, wenn auf Weiden und Grünflächen eine Vielfalt von Gräsern und Blumen blüht. Die fürs Auge erfreuliche Phase ist aber leider schnell abgeschlossen, wenn Ende Mai die Mähfahrzeuge kommen und die ersten Mahden eingeholt werden.

Grünland, Wiesen und Weiden gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Der Lebensraum Wiese kann nur durch regelmäßige Mahd erhalten werden. Mähen bedingt das Gedeihen der Wiese. Das Problem: Der Mahdtermin von Grünland und Industrie-Ackergras fällt in die Brut- und Setzzeit vieler heimischer Wildtiere. Für viele Tieren bedeutet das Zusammentreffen dieser Termine jährlich Leid und Tod.

Verboten ist daher das Mähen der Grünflächen von außen nach innen, denn so besteht eine große Gefahr, verstecktes Wild – allen voran abgelegte Rehkitze – mit dem Mähwerk zu erfassen. Viele Tiere ducken sich beim langsamen Annähern der Maschine so lange ab, bis es zu spät für eine Flucht ist.

Der Gesetzgeber hat in dem seit November 2016 geltenden Landesnaturschutzgesetz das Verbot aufgenommen, bei der Mahd auf Grünlandflächen ab einem Hektar Größe von außen nach innen zu mähen. Die Mähweise „Von innen nach außen“ bietet den Tieren die Möglichkeit zur Flucht. Tiere müssen bei dieser Variante nicht über die frisch gemähte, kurz geschnittene Wiese flüchten, sondern können ihre Flucht in der Deckung der noch hohen Vegetation antreten.

Dieses Verfahren war schon Jahre zuvor als gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft beschrieben. Zur tierschonenden Mahd gibt es weitere Möglich­keiten. Zur Vergrämung können am Nachmittag vor der Mahd Wildscheuchen, wie Plastiktüten, Luftballons, Absperrband oder Blinkleuchten, installiert werden. Diese hindern vor allem Rehe und Feldhasen am Betreten der Fläche.

Bei dem Begriff „tierschonende Mahd“ denken die allermeisten in erster Linie an Rehkitze und Hasen. Aber auch Feld- und Wiesenvögel, Amphibien und auch Insekten werden meist nicht mitgedacht. Doch bei der Mahd von Grünland oder Kleegras, haben auch diese Tiere drastisch geringe Überlebenschancen.

Wirkungs­voll im Sinne des Artenschutzes zeigen sich diejenigen Maßnah­men, welche in einem bestimm­ten Gebiet oder zu einer bestimmten Zeit auf das Mähen verzichten, wie z.B. Altgrasstrei­fen und Rotationsbrachen. Sonst sind auf einen Schlag Nahrung und Deckung für viele Wildtiere verschwunden. Als Mosaik- oder Staffelmahd bezeichnet man die zeitlich und räumlich versetzte Mahd. Werden Flächen im Abstand von einigen Wochen gemäht, entsteht ein Mosaik verschiedener Entwicklungsstadien des Aufwuchses in einem größeren Grünlandareal. Dadurch bleibt der so genannte „Mähschock“ aus, die Tiere können auf andere Flächen ausweichen, in denen sie Nahrung und Deckung finden. So kann ein größerer Teil der Tierpopulationen ausreichend geschont und gleichzeitig der Lebensraum Wiese erhalten werden.

Eine großräumige, zeitgleiche Mahd ist entsprechend problematisch für die Fauna.

Eine Schnitthöhe von mindes­tens 10 cm, verbessert die Lebenschancen vieler pflanzlicher und tierischer Arten, ebenso wie das Ruhen lassen des Schnittgutes für wenigstens einen Tag. Dann können Kleinlebewesen das Mähgut auf der Suche nach besseren Lebensräumen verlassen.

Auch Nester und Gelege bleiben bei höherer Schnitthöhe häufiger unversehrt. Amphibien und finden zudem nach der Mahd verbesserten Schutz in der höheren Vegetation.

Das Schlagen, Aufbereiten und Häckseln als Varianten der Grünlandbearbeitung bedeutet hingegen das Erschlagen, Quetschen und Zerhäckseln aller Lebewesen, die den Mähvorgang überlebt haben.

Auch wenn nicht alle diese Maßnahmen auf einer Fläche umgesetzt werden können: Bereits geringfügige Veränderungen können das Überleben einer Population sichern.

In einer Zeit alarmierenden Artenschwundes bietet es sich an diese Maßnahmen auch für alle Grünflächen zu bedenken, die nicht agrarökonomisch genutzt werden. Insbesondere Weg- und Straßenränder, öffentliche und private Grünanlagen bilden mittlerweile wichtige Überlebensareale.

Eine Radtour über die Grenze in die achterhooksche Region zeigt was machbar ist.

 

Literatur:

https://www.oeko-komp.de/wp-content/uploads/2020/12/FachinfoMahd.pdf

https://www.natuerlichbayern.de/fileadmin/user_upload/Praxisempfehlungen/Praxisempfehlungen_Insektenschonende_Mahd.pdf

https://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/doc/an36208van_de_poel_et_al_2014_mahd.pdf

https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/posse-um-tote-maus-bei-gruenlandmahd-9450556.html

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/naturschutz/biodiversitaet/maehen/index.htm

https://kreis-borken.de/index.php?id=16128&L=950