Die Moore im Kreis Borken vertrocknen!

Trocken liegende Bult-Schlenken-Komplexe. Normalerweise ragen nur die oberen Kappen dieser Bulten aus dem Wasser, das dann tiefe Schlenken bildet.

Schon jahrzehntelang fahren Helfer*innen des NABU-Kreisverbandes in die diversen Moorschutzgebiete des Kreises und sorgen somit seit vielen Jahren mit den regelmäßigen Pflegearbeiten für eine Eindämmung negativer Umweltfaktoren. Wir schützen die seltene Fauna und Flora unserer Moore in der Heimatregion.

Gesamtstrukturen und Allgemeinzustände der Naturschutzgebiete haben sich generell nicht verbessert, dafür sind die umweltbelastenden Umstände einfach zu groß geworden.

https://nabu-borken.de/von-moorschnucken-und-klimawandel-deutsch-niederlaendischer-pflegeinsatz-im-amtsvenn-huendfelder-moor/

Aktuell gibt es im Kreis Borken 66 Naturschutzgebiete mit einer Flächengröße von insgesamt 63,1 km², dies entspricht 4,4 % der Kreisfläche.

Dabei haben im Kreis Borken die Feuchtgebiete eine besondere Bedeutung, liegen gleich drei der fünf größten Moorflächen Nordrhein-Westfalens im Kreisgebiet. Für ganz NRW listet das Landesamt nur noch 12,1 Quadratkilometer Moorfläche auf – und damit gut ein Drittel weniger als noch 2016. Zerstörung und Verdrängung der Naturressourcen sind also nicht nur Freveltaten in anderen und weit entfernten Ländern.

Der Schutz unserer Moore braucht massive Unterstützung, auch wenn der Kampf gegen die extremen klimabezogenen Veränderungen nahezu chancenlos scheint. Die durch die regenarmen Sommer bedingte fehlende Nässe der Moore setzt in großen Mengen Nährstoffe frei, da die Torfböden nun trocken frei liegen. Von der Nährstofffreigabe und einer verstärkten Austrocknung unserer Moore profitieren vielfach Gehölze wie Birken und Kiefern und in einigen Hochmooren und Feuchtheiden invasive Arten wie die aus Amerika stammende und sich hier verstärkt ausbreitenden Späten Traubenkirschen. Deren Eindämmung stellt seit Jahrzehnten schon die Naturschützer*innen vor besondere Herausforderungen, wie z.B. die NABU-Helfer*innen bei ihren samstäglichen Einsätzen.

Unsere Moorbiotope sind Heimat für Spezialisten im Pflanzen- und Tierreich, die nur dort überleben könnten. Die Hochmoormosaikjungfer, eine Libellenart, legt ihre Eier nur in lebendem Torfmoos ab. Sonnentau, eine fleischfressende Pflanze ist ebenfalls auf die Standorte im Moor angewiesen. Gehen derartige Lebensräume verloren, dann geht die ganze Art verloren. Diese Lebensräume lassen sich auch nicht rekonstruieren. Was weg ist, ist weg. Darum lohnt sich der Einsatz um kleinste Moorflächen und Randbereiche dieser Feuchtgebiete.

Ein intaktes Moor ist allerdings nicht nur Lebensraum für viele spezialisierte und höchst seltene Pflanzen- und Tierarten. Moore haben direkte positive Auswirkungen auf unser Leben: So nehmen sie bei starken Niederschlägen das Wasser wie riesige Schwämme auf und geben es in der Folge durch Verdunstung langsam wieder ab, was einerseits vor Überschwemmungen schützt und andererseits Trockenheit mildert. Gleichzeitig speichern sie im Torf enorme Mengen an Kohlenstoff.

Das gilt allerdings nur für annähernd wohlbehaltene Moore: Werden sie zu trocken, kommt der Torf mit Luft in Berührung. Ein bislang durch das Wasser gestoppter Zersetzungsprozess startet. Dabei wird Kohlendioxid, Methan oder Lachgas freigesetzt. Dies heizt die Erderwärmung weiter an.

Moore spielen eine besondere Rolle im Kohlenstoffkreislauf und für den Klimaschutz. Hierauf weist auch der „Weltklimarat“ in seinem Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme hin. Ihre regulierende Wirkung im Wasser- und Nährstoffhaushalt und kühlende Verdunstungswirkung macht sie auch für das lokale und regionale Klima wichtig. So gehen die internationalen und nationalen Moorstrategien sogar von der Notwendigkeit der Ausweitung bestehender Moorflächen aus, um überlebenswichtige Klimaziele realisieren zu können. Obwohl Moore nur drei Prozent der globalen Landfläche einnehmen, binden sie 30 Prozent des weltweiten Bodenkohlenstoffs.

Es muss daher alles getan werden, um mehr Wasser und über längere Zeiten im Jahr in der Landschaft und insbesondere in unseren seltensten und wertvollsten Schutzgebieten: Mooren und Heiden zu halten. Konzentrierte Handlungsenergie, Eile und Dringlichkeit für den Erhalt des Bestehenden ist geboten. Denn wie sollen unsere Naturschutzgebiete weitere extreme Hitze-Sommer überleben, wie wir sie in diesem Jahr und auch schon 2018 hatten. Förderliche Maßnahmen und Strategien einer Wasserregulierung, Vernässung und Wassersicherung müssen zeitnah umgesetzt werden, sonst verlieren wir unwiderruflich unsere letzten Habitate nicht nur für gefährdete Amphibien, wie z.B. Moorfrosch, Schlingnatter und Kreuzotter. Noch sind Ziegenmelker und Pirol bei uns heimisch. Eine große Gefahr bietet die extreme Dürre für den gesamten Torfmooskörper, ebenso für Pflanzen wie z.B. Rosmarinheide und die noch seltenere Moosbeere. Sie wächst im Burlo-Vardingholter Venn. Dort im Grenzbereich zum Wooldsen Venn befindet sich ein letzter uralter Hochmoorrest, fraglich ob er nun noch intakt ist und sich regenerieren kann.

https://nabu-borken.de/pflegeeinsatz-in-der-kernzone-des-burlo-vardingholter-venns/

https://www.bbv-net.de/Lokales/Regionales/Von-den-grossen-Mooren-ist-wenig-geblieben-342854.html

https://www.bbv-net.de/Lokales/Regionales/Zwillbrocker-Venn-Wo-genau-verliert-der-See-Wasser-276456.html

https://www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Naturschutz/diskussionspapier_moorschutzstrategie_bundesregierung_bf.pdf

https://www.derstandard.de/story/2000136190091/die-unterschaetzte-rolle-der-moore-im-klimawandel

https://www.gd.nrw.de/gw_pj_zwillbrocker-venn.htm

https://kreis-borken.de/de/service/themen/umwelt/umwelt/dienstleistungen-aufgaben/natur-und-landschaftsschutzgebiete-naturdenkmale-und-geschuetzte-landschaftsbestandteile/

http://nsg.naturschutzinformationen.nrw.de/nsg/de/fachinfo/gebiete/kreise/muenster/2074

Moorschutz ist Klima- und  Artenschutz den wir hier vor Ort umsetzen können!
Macht doch auch mit. Die Saison der NABU Pflegeeinsätze in den Naturschutzgebieten ist gestartet:

15.10 – Versunken Bokelt in Rhede

22.10. – Zusammen mit den niederländischen Freunden und der Biologischen Station im Amtsvenn

29.10. – Herrichten von Fledermausbunkern in Borken

Eine NABU – Mitarbeit geschieht freiwillig und eine Mitgliedschaft ist nicht nötig. Du gehörst dann zu den Menschen, die wissen, dass sie Sinnhaftes leisten. Die gemeinsame Arbeit unter Gleichgesinnten ist kontaktbildend, macht viel Freude und ist in jeder Hinsicht ein gelungener Ausgleich und auch ein Workout an der frischen Luft.  Es ist nach wie vor noch viel zu tun, komme doch vorbei! Natur und NABU freuen sich.

Rolf Souilljee ist Leiter der Pflegeeinsätze und informiert gern. Tel 02871 184916

Text und Fotos: Norbert Osterholt