Exkursion: Viele Bocholter lehnen den Nordring ab

Hans-Josef van Hüth leitete die Exkursion und erklärte den Teilnehmern die Pläne der Stadt. Foto: Dr. Lisa Heider

Am 30.08.2019 informierte die NABU-Gruppe Bocholt bei einer Exkursion über die negativen Auswirkungen des geplanten Nordringes in Bocholt. Besonders das Teilstück zwischen dem Barloer und Hemdener Weg ist von unschätzbarem Wert für die Natur sowie als Naherholungsort für die Bürger. Dies bei einem infomativen Spaziergang zu verdeutlichen war das Ziel und rund 45 Bürger folgten der Einladung des NABU. Der Nordring nehme zahlreichen Tieren, wie zum Beispiel 17 Brutvogelarten, der Breitflügelfledermaus und massenhaft Insekten den Lebensraum, erklärt der Gruppenleiter Hans-Josef van Hüth. Eine Anwohnerin berichtete der Gruppe regelmäßig Steinkäuze zu hören und fragte sich, was mit den vielen alten Bäumen entlang der Trasse passieren wird. Als NABU-Mitglied, Landschaftsökologe und Heimatverbundener verfolgte van Hüth alle Diskurse und Entwicklungspläne für den Nordring und teilte seine Kenntnisse nicht emotionslos. Kerngesunde Laubbäume und Blumenwiesen, die sich auf der unangetasteten Trasse entwickeln konnten, sollen der 5km langen Straße weichen.

Schon lange hinterfragt der NABU die angepriesene Gemeinnützigkeit des Nordringes. Die direkten Folgen der Versiegelung sind Klimaerwärmung, Absenkungen des Grundwasserspiegels und Attraktivitätsverluste der Stadt. Zu den Begleiterscheinungen von erhöhtem Verkehrsaufkommen gehören Luftverschmutzung, Lärmbelästigung und die Abgabe von Mikroplastik durch Reifenabrieb. Auch die Bürger stellen konkrete Fragen an die Stadt und Politiker, wie zum Beispiel an den anwesenden Bewerber um das Bürgermeisteramt, Peter Wiegel (SPD). Wie stehen die negativen Auswirkungen im Verhältnis zu einer Entlastung weniger innerstädtischer Straßen? Muss das Problem der verstopften Straßen nicht ohnehin an den Wurzeln gegriffen werden? Wo bleiben die Lösungen für klimaneutrale Mobilität und Reduzierung von motorisiertem Verkehr?

Bürger betroffen von endlosem Bauwahn in ihrer Stadt

Stattdessen reflektiert der Nordring, dass der Individualverkehr in Bocholt auch in Zukunft einen hohen Stellenwert einnehmen soll und somit den Wünschen vieler Bürger widerspricht. Die Anwesenden wünschen sich eine fahrrad- und fußgängerfreundliche Stadt sowie Promenaden, Parks und naturnahe Flächen, die zum Verweilen und Entspannen einladen. Auch die Notwendigkeit für die Stadt und Politik endlich ihre Verantwortung für den Klimaschutz anzuerkennen, wurde angesprochen. Bürger aller Altergruppen fühlen sich direkt betroffen von einem „endlosen Bauwahn“ in Bocholt, und kritisierten den fehlenden Respekt für Natur und Mensch. Der Nordring habe fatale Konsequenzen, die von unseren Zukunftsgenerationen getragen werden müssen, sagte van Hüth. Als er Wochen zuvor Schülern des St. Josef Gymnasiums die Nordringtrasse zeigte, waren sie zugleich fasziniert von der Artenvielfalt und schockiert von einem aggressiven Eingriff in das Biotop.

Im Anschluss des Spaziergangs am Samstag gab es einen regen Austausch, in dem die Teilnehmer sich fragten, was sie gegen den Nordring unternehmen können. „Die Stadt macht ohnehin was sie will“, war ein prägender Glaubenssatz, den es zu entkräftigtigen galt.  Für den NABU ist es für den Erhalt der Nordring Trassen noch nicht unbedingt zu spät. Das allerwichtigste sei, dass die Bocholter Bürger ihrem Unmut Ausdruck verleihen. Kommunalwahlen, Briefe an Presse und Politiker und Demonstrationen waren die Ideen der Gruppe. Van Hüth betonte, dass durch eine Normenkontrollklage und Bürgerinitiative zusätzlich Zeit gewonnen werden könnte. Um Umweltzerstörungen durch Bebauungen in Bocholt grundsätzlich Einhalt zu gebieten, ist die Anerkennung des Klimanotstandes wichtig. Michael Kempkes (stellvertretender Vorsitzende NABU-Kreisverband Borken e.V.) bat darum, die laufende Onlinepetition zu unterschreiben und weitreichend zu teilen.

https://www.openpetition.de/petition/online/klimanotstand-fuer-bocholt

Wenige Teilnehmer des Spaziergangs kannten weder den Grüngürtel zwischen dem Hemdener und Barloer Weg, noch den genauen Verlauf des gesamten Nordrings. Sie waren dankbar für die gewonnen Einsichten über eine Entwicklung, die ihre Lebensqualität massiv beeinflussen wird.

Dr. Lisa Heider

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