Der NABU-Kreisverband Borken bekennt sich grundsätzlich zur dringend notwendigen Ausweitung regenerativer Energien. Solarenergie ist ein wichtiger Baustein der Energiewende – dennoch darf ihr Ausbau nicht einseitig auf Kosten von Natur, Landwirtschaft und Ortsbild erfolgen.

Der geplante Solarpark auf 58 Hektar wirft aus unserer Sicht erhebliche Fragen zum Flächenverbrauch und zur Flächenkonkurrenz auf.

Die vorgesehene Fläche ist im Flächennutzungsplan als „Fläche für die Landwirtschaft“ ausgewiesen und wird derzeit überwiegend intensiv mit Mais für eine Agrargasanlage genutzt. Dies sehen wir kritisch; stattdessen wünschen wir uns eine naturverträgliche Nutzung. Geplant ist eine Umwidmung in eine Sonderbaufläche „Photovoltaik“. Der Vorhabenträger nennt Einsaaten mit extensivem Grünland, Blühstreifen, Wildkorridoren und Heckenzügen. Ökologisch betrachtet könnte dies – sofern die aufgeständerten Module als Agri-PV die Weidewirtschaft auf extensiven Flächen zulassen – sogar eine Aufwertung sein. In diesem Fall ließen sich Sonnenenergieertrag, landwirtschaftliche Nutzung und Biodiversität besser miteinander verbinden. Ergänzende Maßnahmen wie extensive Unter- und Zwischenbegrünung, Blühstreifen, ökologische Ausgleichsflächen und durchdachte Bewirtschaftungskonzepte sind jedoch zwingend, wenn großflächige Anlagen genehmigt werden sollen.

Generell verstärken große Freiflächen-PV-Anlagen den Flächenverbrauch und fördern Flächenkonkurrenz. Sie entziehen der Landwirtschaft wertvolle Ackerflächen, was im Interesse der regionalen Landwirtschaft nicht sein dürfte. Daher sollten großflächige PV-Anlagen vorrangig auf bereits versiegelten, ehemaligen Industrie- oder Brachflächen errichtet werden; fruchtbare Ackerböden und ökologisch wertvolle Flächen sind zu vermeiden.

Aus NABU-Sicht ist zudem die Gefahr zu prüfen, dass Wasservögel die großflächigen, glänzenden Photovoltaikflächen fälschlich für Wasser halten, darauf landen und sich verletzen oder getötet werden können.

Kritisch sehen wir auch die vorrangige Einspeisung in das Hochspannungsnetz, da dies einer regionalen Nutzung zuwiderlaufen kann. Eingriffe in Boden und Vegetation zur Verlegung von Kabeltrassen oder zur Errichtung von Hochspannungsleitungen zum Umspannwerk in Hamminkeln-Dingden sind ebenfalls zu berücksichtigen.

Nicht zuletzt ist das Landschaftsbild relevant: Große Solarparks können Orts- und Landschaftsbilder dauerhaft verändern. Standort- und gestalterische Lösungen sowie ausreichende Abstände und Begrünungen sind erforderlich, um negative visuelle Effekte zu mildern.

Um die Auswirkungen auf Natur und Umwelt sachgerecht abzuwägen, wird der NABU die angekündigte vollständige und transparente Umweltverträglichkeitsprüfung kritisch begleiten. Wir erwarten, dass Öffentlichkeit und lokale Akteure (Landwirte, Naturschutzverbände, Stadt) frühzeitig eingebunden werden. Nur so lässt sich die Energiewende vor Ort sozial, wirtschaftlich und ökologisch verträglich gestalten.

Martin Frenk
für den NABU-Kreisverband Borken e.V.

 

 

Symbolbild von Samuel Faber auf Pixabay