Grußwort Aktive Essbare Stadt JHV

Hochbeete in der Essbaren Stadt Bocholt. Foto: Essbare Stadt Bocholt-Borken e.V.

Liebe Aktive der Essbaren Stadt in Borken und Bocholt!

Ich wäre heute Vormittag sehr gerne bei Ihnen gewesen, um Ihnen in meiner Funktion als Vorsitzender des NABU-Kreisverbandes Borken meine Grüße und meinen Dank zu überbringen. Aufgrund einer gerade erfolgten Operation, ist mir die Teilnahme nur schwer möglich und deshalb habe ich mich gegen einen Besuch bei Ihnen entschieden. Der NABU unterstützt Ihre und Eure Aktivitäten ausdrücklich. Folgend möchte ich gerne erläutern, weshalb die Bewegung „Essbare Stadt“ so wichtig geworden ist. Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

Wir stehen in diesem Jahrhundert laut verschiedenen führenden Wissenschaftlern vor den größten Herausforderungen der Menschheit: dem Klimawandel und dem Artensterben. In den vergangenen drei Jahren haben wir die Veränderung des Klimas auch bei uns im Münsterland sehr deutlich gespürt. Mehrere Hitzrekorde, ausbliebende Niederschläge und in einigen Kommunen unseres Kreises die erste Trinkwasserknappheit. Das sind die Vorboten eines sich dramatisch schnell verändernden Klimas! Um die Biodiversität ist es keineswegs besser bestellt. Eine Million Tier- und Pflanzenarten gelten mittlerweile weltweit als vom Aussterben bedroht. Das ist ein Achtel aller Spezies! Das Aussterben einer Art zieht immer einen ökologischen Rattenschwanz nach sich und gleicht dem Dominoeffekt. Jede Art hat in der Natur ihre Aufgabe und Funktion. Wir können uns als Menschheit weder eine weitere Klimaerwärmung noch das Aussterben von Pilzen, Pflanzen und Tieren erlauben, da wir damit unsere eigenen Lebensgrundlagen gefährden – und die unserer Kinder und Enkel.

Jetzt komme ich zu Ihnen und Euch als Aktive der Essbaren Stadt. Sie setzen mit Ihrer Tätigkeit ein deutliches Signal in Richtung Politik und Verwaltung: Es gibt sie noch die Menschen, die einen Bezug zur Natur haben. Die nicht rücksichts- und gedankenlos konsumieren, sondern die in „Mutter Erde“ einen Teil ihrer Lebensmittel selbst produzieren. Sie haben einen Bezug und eine Beziehung zur Ihrem Stückchen Erde, zu Ihren Pflanzen und der Nahrung. Diese Lebensmittel tragen ihren Namen zurecht und haben einen ganz anderen Stellenwert als die im Supermarkt gekauften Industrieprodukte, die zumeist den Begriff „Lebensmittel“ nicht mal verdienen.

Ihr Gemüse, Ihr Obst ist aus Ihrer Heimaterde, und damit regional im besten Sinne! Ökologisch produziert ist es allemal, und es ist nicht über hunderte oder gar tausende Kilometer transportiert worden, zudem ist es unverpackt. Was gibt es Besseres?

Sie arbeiten mit dem Boden, dem Wetter und den Naturkreisläufen, indem Sie kompostieren und damit wieder alles in den Kreislauf des Lebens integrieren. Abfälle kennen Sie nicht! Alles hat seinen Wert. Wenn Sie bei dieser wertvollen Arbeit Ihre Kinder oder Enkel beteiligen, so leisten Sie ganz wichtige pädagogische Arbeit. Damit erwerben diese jungen Menschen ein wahrlich wertvolles Weltwissen, das sie niemals im Internet erwerben können.

Das soziale Miteinander in der Essbaren Stadt ist ein wahrer Wert in einer Gesellschaft, die immer mehr durch Egoismen auseinanderbricht. Sie bauen gemeinsam an, geben sich gegenseitig Tipps, tauschen Werkzeuge, Saatgut und schließlich Ihre Ernte. Das ist sozioökonomisch und ökologisch nachhaltig, wertvoll und vorbildlich. In Ihren Gemeinschaften arbeiten und leben Menschen unterschiedlichster Herkünfte und gesellschaftlicher Schichten. Damit tragen die Essbaren Städte zu einem interkulturellen Miteinander bei und helfen Unterschiede zu minimieren. Wäre unsere gesamte Gesellschaft strukturiert wie die Essbare Stadt, so hätten wir viele Probleme nicht und viele Menschen wären deutlich glücklicher und zufriedener mit ihrem Leben.

Ich danke Ihnen deshalb sehr herzlich für Ihr vorbildliches Engagement! Machen Sie weiter so! Und verteidigen Sie mit Ihrer Essbaren Stadt die grünen Oasen in unseren Städten, die wir so sehr brauchen. Auch hier im Kreis Borken werden noch immer – trotz Klimawandel und Artensterben – viele Flächen durch neue Straßen, Industrieansiedlung und weiteren Siedlungsbau versiegelt. Umso wichtiger werden grüne Oasen. Von daher unterstützen wir als Naturschützer voll und ganz Ihr wertvolles Wirken. Alles Gute für Sie und die Bewegung „Essbare Stadt“ in Borken und Bocholt. Mögen viele weitere Menschen Ihrem Vorbild folgen und die Essbaren Städte zu einem unverzichtbaren Bestandtteil unserer Kommunen werden.

Herzliche Grüße,

Michael Kempkes

Mehr Infos zu den Essbaren Städten unter: