„Kein Segen für das Töten“ – Offener NABU – Brief an die Kirchengemeinden zur Hubertusjagd

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die „Fuchsfreunde NABU“ rufen dazu auf, keinen Segen für das Töten von Tieren im Rahmen von Hubertusmessen zu erteilen.

Die „Fuchsfreunde NABU“ sind ein Zusammenschluss von Gegnern der Fuchsjagd innerhalb des NABU (Naturschutzbund Deutschland). Ihr Ziel ist die vollständige Abschaffung der Fuchsjagd, ein Zwischenziel dabei ist eine klare Positionierung des gesamten NABU bundesweit gegen die Fuchsjagd.

Alljährlich finden rund um den Hubertustag (03.11.) an vielen Orten Hubertusmessen statt, die von Jägerschaften und Bevölkerung als Segnung des „Waidwerks“ verstanden werden. Dies ist allerdings nicht tragbar und vertretbar:

Der Legende nach hatte der Heilige Hubertus der Jagd abgeschworen, als ihm Christus in Gestalt des Hirsches begegnet war. Er ist daher mit Sicherheit kein Schutzheiliger für die heutigen Jäger bzw. die heute praktizierte Jagd, denn alljährlich werden in Deutschland knapp eine halbe Million – und allein im Kreis Borken rund 2.000 Füchse – von Jägern sinnlos getötet. Fast alle getöteten Füchse werden weggeworfen. Die Jagd auf Füchse beinhaltet auch hier im Kreis Borken schwere Grausamkeiten, wie das Töten wenige Wochen alter Jungfüchse oder das Training von Hunden an lebenden Füchsen in Schliefenanlagen (Anlagen zur Ausbildung von Hunden für die Baujagd)

Die Jagd auf Füchse und zahlreiche andere Tiere wird von Hobbyjägern durchgeführt, die als Freizeitbeschäftigung Tiere töten. Die sogenannte „Hege“ ist auf das Beutemachen ausgelegt, Ziel dieser „Hege“ ist nicht der Naturschutz, sondern hohe Wildbestände als Jagdbeute. Dazu werden auch Tiere ausgesetzt, um sie anschließend zu schießen (Fasane).

Das massenhafte Töten von Tieren ohne einen vernünftigen Grund ist ethisch und christlich nicht vertretbar. Nur ein Bruchteil der getöteten Tiere wird verwertet, was auch für die „essbaren“ Tierarten gilt.

Die „Fuchsfreunde NABU“ rufen dazu auf, ab sofort auf die Hubertusmessen zu verzichten und dem Töten keinen Segen mehr zu erteilen. Wir fragen uns: Warum wird das Töten von Gottes Geschöpfen in der Kirche gefeiert?

Eingedenk dessen, dass alle Geschöpfe ihren letzten Ursprung in Gott haben, war er von noch überschwänglicherer Zuneigung zu ihnen erfüllt. Auch die kleinsten Geschöpfe nannte er deshalb Bruder und Schwester„. Papst Franziskus über den Heiligen Franziskus, nach dem er sich benannt hat (Papst Franziskus 2015, S. 13). Und weiter führt der Papst aus: „Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen und das Wunder nähern, wenn wir in unsere Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unsere Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters der Ressourcen sein, der unfähig ist, seinen unmittelbaren Interessen eine Grenze zu setzen. Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen„. (ebd. 2015, S. 13). So spricht der Bischof von Rom, der Stellvertreter Gottes aller katholischen Christen auf der Erde. Darf sich die Kirche dagegenstellen? Wie lässt sich das Segnen einer todbringenden Tätigkeit mit den Aussagen des Papstes vereinbaren?

 

Wir Christen haben große Achtung vor der Schöpfung und dem Leben und betrachten die Tiere als unsere Mitgeschöpfe. Dieser respekt- und würdevolle Umgang ist unsere Leitlinie im Natur-, Arten- und Tierschutz.

Mit freundlichen Grüßen

 

Michael Kempkes (Vorsitzender NABU Kreisverband Borken)

Martin Frenk (Geschäftsführer NABU Kreisverband Borken)

Gabi Joormann (Fuchsfreunde NABU, Kreisverband Borken)

Dr. Martin Steverding (Fuchsfreunde NABU, Kreisverband Borken)

 

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Recently_harvested_roe_deer_and_suppressed_rifle,_Denmark_01.png