Mehr Sensibilität im Umgang mit Bäumen gefordert

Bild: NABU-Kreisverband Borken

Bäume haben eine herausragende Bedeutung für die Stabilisierung des innerstädtischen Klimas als Schatten- und Sauerstoffspender. Zudem filtern sie die Luft und speichern CO2. Mit ihrem Schatten sorgen sie direkt und indirekt für eine Abkühlung, indem sie mit dem Laubdach Schatten spenden und indem sie Wasser verdunsten. Sie tragen damit erheblich zu einer Stabilisierung des Wasserkreislaufs bei. Über die Wichtigkeit der Bäume für Insekten, Vögel, Fledermäuse und andere Kleinsäuger haben wir bereits an anderer Stelle ausführlich berichtet. Bäume sind demnach für uns alle unverzichtbar!

Zusätzlich zu den aufgelisteten Ökosystemleistungen kommt hinzu, dass ältere Bäume für das Anwachsen junger Bäume unverzichtbar sind. Durch das unterirdische Binden von Wasser und den Schatten sorgen sie dafür, dass die jungen Bäume nicht austrocknen und gut anwachsen können. Da wir in allen Städten aufforsten müssen, um die Innenstädte, Siedlungen und Gewerbegebiete in Hitzesommern natürlicherweise abzukühlen, brauchen wir zum Anpflanzen junger Bäume große Bäume, in deren Schatten die „Neulinge“ wachsen und gedeihen können.

Aus diesen Gründen fordern wir von allen 17 Kommunen im Kreis Borken, dass sich Politik und Verwaltung intensiv, und der Wichtigkeit des Themas angemessen, mit dem Schutz von Bäumen befassen. Am Ende muss eine kommunale Baumschutzsatzung beschlossen und umgesetzt werden, die nicht nur das Fällen von Bäumen deutlich erschwert, sondern zugleich mehr Anreize setzt Bäume zu erhalten und neu zu pflanzen. Zum Schutz der Bäume muss es auch gehören, dass sie bei Bauarbeiten besser geschützt werden. Noch immer lassen sich in der Nähe von Baustellen Bäume mit abgebrochenen Ästen beobachten, durch die dann Pilze in den Baum eindringen und ihn schwächen können. Das Freilegen von Wurzel ist ebenso zu beobachten, was für Bäume lebensgefährlich sein kann (siehe Foto). Und auch das Rangieren mit schweren Fahrzeugen in der Nähe der Bäume muss künftig unterbunden werden, denn die Bodenverdichtungen schaden den empfindlichen Wurzeln ebenso und lässt die Standfestigkeit der Bäume geringer werden.

Die Stadt Hamburg hat ein Schutzkonzept für ihre sorgsam gepflegten Stadtbäume entwickelt. Selbst mit Parkplätzen für PKW rückt man immer weiter von den Bäumen weg, um diese nicht zu gefährden. In einer Pressemitteilung von 2017 teilte die Hansestadt Folgendes mit: „Dass unter der Lindenpromenade […] nicht mehr geparkt werden kann, tut den Bäumen unendlich gut. Sie können jetzt frei von Bodenverdichtungen durch die Autos besser wachsen und damit auch deutlich älter werden.“( https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/9484812/2017-09-11-bwvi-alster-fahrradachsen/). Ohnehin hat Hamburg eine vorbildliche Baumschutzsatzung und ist um jeden Stadtbaum sehr bemüht (s.a. https://www.hamburg.de/baeume/ ). Derartige Konzepte, die Aufklärung der Bürgerschaft und ein nachhaltiges, wertschätzendes Engagement für die Bäume im Kreis Borken erwarten wir von Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Jeder Baum ist es wert und ohne Bäume können wir nicht existieren!

Michael Kempkes

Kreisvorsitzender