20.12.2025 – Ein Samstagmorgen im Dezember, an dem der Nebel nicht weichen will. Ein Tag, den man lieber in der Wärme der heimischen Stube verbringt.
Und doch verfrachten 20 Personen mit klammen Händen Pappkartons und Werkzeuge ins Epe-Graeser Venn.
Rolf Souilljee von der NABU Gruppe in Bocholt gibt klare Anweisungen: „Hier auf diesem Damm wird das Feuer entzündet. Bitte besorgt mir zunächst dünne Zweige.“

Während die Sonne kaum im Dunst zu erblicken ist, schwärmen die Helfer*innen aus und verfrachten Schnittgut von vier mächtigen Holzhaufen zur Feuerstelle. Schon bald lodert ein ordentliches Feuer. Von allen Seiten werden Birken, Kiefern, Erlen und Faulbaum zusammengetragen.

Was passiert hier?

Sascha Heßeling, zuständig für die Pflegeeinsätze des NABU-Kreisverband Borken, erläutert: „Im Auftrag der Naturschutzbehörde des Kreises Borken verbrennen wir das Schnittgut. Ende November hatte die Kreisjägerschaft eine Fläche im Venn freigelegt und ca. 15m³ Gehölzschnitt zusammengetragen.“

Aktive des NABU KV Borken beim Pflegeeinsatz im Epe-Graeser Venn

Warum wird in die natürliche Entwicklung eingegriffen?

Im Venn sollen lichthungrige Moorpflanzen wie Torfmoose, Moosbeere, Wollgras, Besen- und Glockenheide aber auch Orchideen wie Geflecktes Knabenkraut gefördert werden. Birken, Kiefern und Erlen entziehen dem Moor zudem Wasser.

Warum dient die Maßnahme dem Klimaschutz?

Das Moor wird trocken. Die Torfschichten nehmen Sauerstoff auf und CO2 wird freigesetzt. Im natürlicherweise nassen Moor wird dagegen CO2 gespeichert.

Warum müssen die Holzberge verbrannt werden?

Damit werden dem Moor Nährstoffe entzogen. Das moorbildende Torfmoos ist eine erstaunliche Pflanze. Sie kann buchstäblich aus Luft, Licht und winzigen Mengen an Nährstoffen leben. Durch die Luft gelangt heute die zehnfache Menge der benötigten Nährstoffe ins Moor. Deshalb überwuchern Gehölze die genügsamen Moorpflanzen.
Die nährstoffhaltige Asche wird nach dem Brand entfernt. Im Winter ist das Moor nass, wodurch sich das Feuer nicht ausbreiten kann.

Die Ahauserinnen Ute Dirk und Ute Goldbach berichten, was sie bewegt, das Moor zu pflegen, Ute Dirk: „Mir macht es Freude, mit Gleichgesinnten die heimische Natur zu erhalten. Ich möchte gerne, dass auch die folgende Generation die Möglichkeit hat, die Schönheiten der Natur zu erleben.“ Ute Goldbach ergänzt: „Ohne unsere Unterstützung würden einzigartige Landschaften und Vögel verschwinden. Indem wird die Holzhaufen verbrennen, werden seltene Bodenbrüter wie Ziegenmelker oder Kraniche geschützt. In den Holzhaufen finden nämlich deren Fressfeinde Unterschlupf.“

Es ist wichtig, hier gezielt in die Natur einzugreifen, weil die wenigen übriggebliebenen Moore in ihren natürlichen Wechselwirkungen erheblich beeinträchtigt sind. Sascha Heßeling und Ute Dirk erinnern daran, die Moorgebiete nicht eigenständig zu betreten. Durch geringe Störungen während der Brutzeit geben die scheuen Vögel ihre Brut auf. Besuchsmöglichkeiten bietet die Biologische Station Zwillbrock an.

Nach getaner Arbeit findet der Einsatz ein kulinarisches Ende: Über der Glut werden Würstchen gegrillt. Müde und gut gelaunt verlassen die Mooronaut*innen das Epe-Graeser Venn.

Moorfilm des Filmclubs Ahaus

In Zusammenarbeit mit dem NABU Kreis Borken hat der Filmclub Ahaus einen Film über Pflegearbeiten in Naturschutzgebieten erstellt. Unter dem Titel „Frühjahrsputz im Varviksveld“ ist der Film im Portal  „Nrwision.de“ zu finden. (In diesem früheren Artikel findet sich der Link zum Film.)

Wolfgang Withake vom Amateuerfilmclub Ahaus und Christoph Laade haben den Film im Frühjahr 25 im niederländischen Naturschutzgebiet Varviksveld gedreht. Das Varviksveld ergänzt das hiesige Amtsveen. Bei diesem Einsatz haben Niederländer*innen der Naturschutzgruppe EnHOe  und deutsche Naturfreund*innen des NABU zusammengearbeitet.

Ehrenamtliche Helfer*innen gesucht

Der Schutz unserer Heimat kann gelingen, wenn viele Hände anpacken! Im Winterhalbjahr waren wir daher jedes Wochenende in den fragilen Naturschutzgebieten im Kreis Borken aktiv, um diese unter fachkundiger Leitung zu pflegen. Im September 2026 starten wir in die nächste Saison. Doch auch bis dahin gibt es immer etwas zu tun.
Daher freuen wir uns immer über weitere Interessierte! Egal, ob du nur einmal im Monat oder nur einmal im Quartal Zeit hast oder direkt jeden Samstag mitkommen willst – bei uns kann sich jede*r einbringen! Vorkenntnisse sind nicht erforderlich!

Kontakt:

Du interessierts dich allgemein für unsere Naturschutzarbeit im Kreis Borken und eine möglich Mitarbeit? Melde dich gerne: ehrenamt@nabu-borken.de

Du hast Fragen zu unseren Pflegeeinsätzen? Dann melde dich gerne bei Sascha Heßeling (Leiter der Pflegeeinsätze): sascha.hesseling@nabu-borken.de

Text: Christoph Laade