Pflegeeinsatz in der Fürstenkuhle nahe Gescher-Hochmoor

An diesem grauen und regnerischen letzten Samstag im Januar leisteten die Helfer*innen des NABU Kreisverbandes zum zweiten Mal in dieser Saison einen Pflegeeinsatz in der Fürstenkuhle nahe Gescher-Hochmoor. Mehr als 20 Personen waren dem Aufruf zum aktiven Naturschutz gefolgt.

Mit Schere, Säge und Mäher kappten sie insbesondere die ausufernde Birkenpopulation. Dank der NABU Helfer*innen ist seit Jahren gewährt, dass die Besucher des schönen Rundwanderweges, den Blick in die Moorweite genießen können.

Versperrte im November noch ein Stangenwald aus Birken jegliche Sicht in das Moor sollte sich dies nun ändern. Die zahlreichen Hände schnitten und sägten und häuften die schlanken Birkenstämme, so dass in relativ kurzer Zeit schon sichtbare Erfolge deutlich wurden. Mit so vielen Helfer*innen besteht eine Chance, auch in klimaproblematischen Zeiten, effektiv Naturschutz zu leisten. Auch die hier noch vorkommenden Gagel-Sträucher konnten so gepflegt und geschützt werden.

Als Mosaik aus Torfmoosflächen, Moorgewässern und feuchten Moorbirken-Bruchwäldern, beherbergt das Naturschutzgebiet Fürstenkuhle eine hochmoortypische Vegetation.

„Hier existiert eine der größten Moorfroschpopulationen in NRW – eine Amphibienart, die in NRW vom Aussterben bedroht ist. Gleichzeitig lebt hier eine weitere, ebenfalls vom Aussterben bedrohte Amphibienart, die von Natur aus selten vorkommende Knoblauchkröte. Desweiteren ist das Gebiet Lebensraum der in NRW stark gefährdeten Kreuzotter.
Das Gebiet ist von landesweiter Bedeutung, da es im Naturraum Westmünsterland einer der letzten erhalten gebliebenen Hochmoorreste (u.a. Moorschlenken-Pioniergesellschaften und Birken-Moorwald) mit typischer Vegetation ist. Zusätzlich findet sich dort ein natürliches dystrophes Gewässer, ein großer Heideweiher, der in seiner Größe und Ausstattung an Pflanzen und Tieren einzigartig in NRW ist. Die Kombination dieser Lebensräume mit den sie umgebenden extensiven Grünländern begründen die besondere Bedeutung des Gebietes für durchziehende Wat- und Wiesenvögel. Das Gebiet zählt zu den wenigen Gebieten, in denen das Entwicklungspotential zum lebenden Hochmoor noch im ausreichenden Maße vorhanden ist. Eine Wiederherstellung eines lebenden Hochmoorkörpers durch Regeneration des natürlichen Wasserhaushalts ist hier das prioritäre Entwicklungsziel. Um den Moorkern herum ist die Entwicklung und Förderung von mageren Flachlandmähwiesen vorgesehen. Dies soll die Attraktivität und Bedeutung des Gebietes für Wat- und Wiesenvögel weiter steigern.“ Das Gebiet zählt zu den wichtigsten Rastgebieten für Regenpfeiferarten in Westfalen.

http://natura2000-meldedok.naturschutzinformationen.nrw.de/natura2000-meldedok/de/fachinfo/listen/meldedok/DE-4008-302

Zeigte das Naturschutzgebiet im November noch starke Trockenheitsschäden, so war die Landschaft mittlerweile doch deutlich nasser geworden. Aber insgesamt ist der Wasserspiegel leider immer noch nicht hoch genug, auch wenn der Heideweiher und die hier typischen von Weiden gesäumten Auegewässer nun Wasserstände aufweisen.

Dank der vielen Pflegekräfte konnte auch die Entkusselung der wichtigen Moorweiherregion fortgesetzt werden. Hochgewachsene Weiden wurden gefällt, um Schattenwurf auf die Heidevegetation zu mindern. Insgesamt war das heute ein erfolgreicher Tag.

Bei dem Pflegeteam des NABU im Kreis Borken handelt es sich um eine sehr aktive Gruppe von älteren und jüngeren Menschen, Berufstätige und Rentner*nnen, Schüler*nnen und Studierende. Die Helfer*nnen kommen aus dem gesamten Kreisgebiet und nehmen auch weite Fahrten in Kauf, um Naturschutz aktiv zu gestalten. Die Arbeit macht Spaß, es ist ein Workout an der frischen Luft, das durchaus auch zu Muskelkater führt. Doch die sinnhafte und gemeinsame Arbeit in den landschaftlich reizvollen Naturgebieten führt dazu, dass nicht nur am Wochenende sondern auch in der Woche sich hilfsbereite Naturbegeisterte treffen und diese wichtigen und dringend nötigen Pflegemaßnahmen übernehmen. Machen Sie doch auch mit. Wir brauchen Sie.

Rolf Souilljee ist Leiter der Pflegeeinsätze und informiert gern. Tel 02871 184916

Fotos und Text: Norbert Osterholt