Das Straßenbegleitgrün – die Pflanzen entlang von Straßen und Wegen – ist weit mehr als nur ein Randstreifen. Angesichts der zunehmenden Flächenversiegelung durch Bauvorhaben und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung gewinnt es als Lebensraum für Tiere und Pflanzen immer mehr an Bedeutung. Wo natürliche Lebensräume verloren gehen, übernehmen Straßenränder eine wichtige ökologische Funktion.
Blütenreiche Wegränder bieten Wildbienen, Schmetterlingen und vielen weiteren Insekten Nahrung und Lebensraum. Gleichzeitig dienen sie als Biotopverbund und ermöglichen es zahlreichen Tier- und Pflanzenarten, sich zwischen verschiedenen Lebensräumen auszubreiten. Davon profitieren auch Vögel und andere Insektenfresser, die auf ein ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen sind.
Darüber hinaus leisten begrünte Straßenränder einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel. Pflanzen wirken wie eine natürliche Klimaanlage: Sie verdunsten Wasser über ihre Blätter und entziehen der Umgebung dadurch Wärme. Gleichzeitig beschatten sie den Boden, verringern dessen Austrocknung und fördern die Wasserspeicherung. Während sich Asphaltflächen im Sommer stark aufheizen, bleiben begrünte Straßenränder deutlich kühler. Temperaturunterschiede von 25 bis 30 Grad sind dabei keine Seltenheit.

Mit Sorge beobachtet der NABU Kreisverband Borken jedoch, dass in vielen Kommunen des Kreises sowie an den Landesstraßen von Straßen.NRW die Straßenränder häufig vollständig und bis auf den Boden zurückgemäht werden. Die Mahd erfolgt nicht selten bereits nach zwei bis vier Wochen – vielfach ohne dass dies aus Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich wäre. Dadurch werden blühende Pflanzen entfernt, bevor sie Samen bilden können. Für viele Insekten geht damit eine wichtige Nahrungsquelle verloren.
Der NABU Kreisverband Borken appelliert deshalb an die Straßenbaulastträger – Städte und Gemeinden, den Kreis Borken sowie Straßen.NRW –, die Pflege des Straßenbegleitgrüns stärker an ökologischen Gesichtspunkten auszurichten. Dort, wo es die Verkehrssicherheit zulässt, sollten Straßenränder seltener und abschnittsweise gemäht werden. So können Pflanzen zur Blüte gelangen, sich aussamen und dauerhaft artenreiche Bestände entwickeln.

Eine naturnahe Pflege des Straßenbegleitgrüns ist eine einfache und kostengünstige Maßnahme, die gleich mehrfach wirkt: Sie stärkt die biologische Vielfalt, verbessert das Kleinklima und schafft attraktive Blühflächen entlang unserer Straßen. Mit einer angepassten Mahd können Kommunen und Straßenbaulastträger einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zur Klimaanpassung leisten.
Martin Frenk
für den NABU-Kreisverband Borken e.V.





