Tag der „Streuobstwiese“ am 29. April!

Ca. 5.000 Obstsorten und auch weit mehr als 5.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt es nach Angaben des „NABU-Bundesfachausschuss Streuobst“ allein in Deutschlands Streuobstwiesen. Zurzeit stehen nicht nur in Deutschland, sondern in vielen bedeutsamen europäischen Streuobst-Regionen wie in der Bretagne und Normandie, in Luxemburg und in der Schweiz, Österreich und in Slowenien die Obstbäume in voller Blüte. Streuobstwiesen bilden das mitteleuropäische Äquivalent zur mediterranen Kulturlandschaft mit ihren Oliven- oder Mandelhainen.
Gründe genug den „ökologischen Super-Ort“ Streuobstwiese mit einem „Tag der Streuobstwiese“ zu würdigen, jeweils am letzten Freitag im April. Dem NABU ist die Bedeutung der „Superorte“ seit vielen Jahren klar und engagiert sich regional, landes- und bundesweit bei der Anlage, Förderung und Pflege des Streuobstwiesenbaus.
So werden kulturelle und ökologische Schätze bewahrt, damit Bäume mit alten und seltensten Obstsorten nicht in Vergessenheit geraten. Noch vor 50 Jahren waren Streuobstwiesen und Obstbaumalleen ein landschaftsbildbestimmendes Phänomen. Obstbäume waren konsequent in den Jahresverlauf menschlicher Lebens- und Ernährungsplanung eingebunden.
Die mächtigen, hochgewachsenen und großkronigen Bäume im Streuobstbau stehen im Gegensatz zu niederstämmigen und präzis gepflanzten Plantagenobstanlagen häufig „verstreut“ in der Landschaft, so der Name. Nach NABU-Schätzungen existieren bundesweit rund 300.000 Hektar Streuobstbestände, davon über 95 Prozent Streuobstwiesen.
Der NABU weiß um diese „Superorte“ und ist seit vielen Jahren regional, landes- und bundesweit in die Anlage, Pflege und Förderung des Streuobstwiesenbaus eingebunden. Dieser bewahrt kulturelle und ökologische Schätze, oft finden sich dort Bäume mit alten und fast vergessenen Obstsorten.
Charakteristisch für Streuobstwiesen ist die landwirtschaftliche Doppelnutzung der Flächen: Die Fruchternte als Obernutzung der Bäume und deren extensive Unternutzung der Böden entweder als Mähwiese zur Heugewinnung oder direkt als Viehweide. Der Boden einer Streuobstwiese lässt oft auch eine große Anzahl blühender Wiesenkräuter wachsen, die je nach Standortcharakter divers zusammengesetzt sind. Eine artenreiche Flora ist bei klassischer Nutzungsweise besonders durch eine extensive Weidehaltung mit Rindern oder Schafen begünstigt. So existieren Lebensräume für Insekten, nicht nur Bienen, viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten, insbesondere Vögel, z. B. Kauz und Schleiereule.

Text und Fotos: Norbert Osterholt