Was Sie schon immer über den Grünen Zipfelfalter wissen wollten

Foto: Marianne Harborg

In Mitteleuropa gibt es außer dem Grünen Zipfelfalter keinen anderen Tagfalter, der grüne Flügelunterseiten hat. Sie blitzen metallisch im Sonnenlicht und die Rändchen leuchtet golden auf, wenn der Schmetterling von einem Busch am Wegrand auffliegt Er fliegt sehr schnell, aber meistens nur kurze Stückchen. Wenn er sich in einem Blaubeergesträuch niederlässt, findet man ihn meist nicht wieder, so perfekt ist er durch sein Aussehen getarnt. Er sitzt auch nie mit aufgeklappten Flügeln da; seine unscheinbare braune Oberseite kann man eigentlich nur kurz im Flug erblicken. Männchen und Weibchen sehen – mit Ausnahme von zwei Duftschuppenflecken, die die Männchen auf den beiden Vorderflügeloberseiten haben – völlig gleich aus.

Anspruchsvoll beim Lebensraum
Der Grüne Zipfelfalter kommt mit regionalen Anpassungen an seine Lebensweise in ganz Deutschland vor. Man kann ihn z. B. in Heidegebieten, Hochmooren, Flusstälern und Wäldern antreffen. Am ehesten begegnet man ihm dort in Bereichen buschiger, gut besonnter Säume, wo er sich meistens in der Strauchschicht aufhält. Er ist überall nicht häufig, denn obwohl er viele verschiedene Wirts- und Nektarpflanzen nutzt, ist er durchaus anspruchsvoll, was seine Lebensräume angeht. Sie müssen abwechslungsreich sein mit einem guten Blütenangebot und offenen Bodenstellen und dürfen nicht so sehr von menschlichen Pflegemaßnahmen beeinflusst sein.
Die Männchen des Grünen Zipfelfalters zeigen Revierverhalten, d. h. sie fliegen patrouillierend immer wieder feste Strecken entlang und vertreiben auch fremde Falter. Nach der Paarung legen die Weibchen die grünlichen Eier in der Nähe der Blütenknospen der Nahrungspflanzen ab, aus denen ebenfalls grün gefärbte Raupen schlüpfen (s.o.). Die Überwinterung erfolgt als braune Puppe am Erdboden. Bei Störungen können die Puppen zirpende Geräusche machen.
In den 50er Jahren, so ist zu lesen (De Latin et. al, 1957), war der Grüne Zipfelfalter „einer unserer bezeichnendsten Frühlingsfalter“. Das ist er leider heute wohl nirgends nicht mehr, wie ich jetzt auch auf dem Tagfaltersymposium in Leipzig erfahren habe. Seine Häufigkeit unterliegt allerdings, so wie bei vielen anderen Faltern auch, jährlichen Schwankungen.

Beobachtungen gesucht
In Rhede und Umgebung ist mir leider noch niemals ein Grüner Zipfelfalter begegnet und ich habe auch noch von keiner Beobachtung aus unserer Gegend gehört. Ich könnte mir vorstellen, dass er im Burlo-Vardingholter Venn vorkommt, aber durchaus auch in nicht zu dunklen Wäldern mit Heidel-/ Blaubeerunterwuchs. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir schreiben würden
(harborg@nabu-borken.de), falls Sie einen Grünen Zipfelfalter in Rhede oder sonstwo im Umkreis gesehen haben! Bekannt sind mir Vorkommen in der Üfter Mark bei Raesfeld und im Haaksberger Veen (NL), wo ich ihn z. B. am 24. April 2008 und am 26. April 2009 an Birke, Heidelbeere und Besenheide beobachten und fotografieren konnte. Zuletzt habe ich dort einen Falter Anfang Mai 2019 leider nur ganz kurz gesehen.
Ab Ende März kann man nach dem Grünen Zipfelfalter Ausschau halten, aber mir scheint, am ehesten wird man den Falter in unserer Gegend ab Mitte April bis Ende Mai entdecken können. Allerdings belegen aktuelle Studien aus den Niederlanden, dass sich die Flugzeiten vieler Tagfalter, bedingt durch die Klimaerwärmung, nach vorne verschoben haben. Halten wir die Augen offen!

Steckbrief
Wiss. Name: Grüner Zipfelfalter, wiss. Name: Callophrys rubi
Tagfalter aus der Familie der Bläulinge, Unterart Zipfelfalter
Kennzeichen: Oberseite unauffällig braun, Unterseite dunkel grün mit einer Reihe weißer Pünktchen und einem gelben bis rotbraunen Rändchen, kleines Schwänzchen am Hinterflügel (Name!), weiß-schwarz geringelte Beine und Fühler, sehr klein, etwa 25 mm Flügelspannweite, Männchen und Weibchen sehen gleich aus
Raupe: gedrungen, asselförmig; grün mit etwas dunklerem Kopf und zwei seitlichen kur zen gelben Streifen, 1,5 cm
Hauptflugzeit: Ende April – Mitte Juni, aber regional auch schon von Ende März bis September
Fortpflanzung: eine, in manchen Regionen zwei Generationen im Jahr
Futterpflanze Raupe: diverse, u. a. Ginster, Klee, Heidelbeere, Heidekraut, Faulbaum, Himbeere.
Nektarpflanzen Falter: vielfältig, z. B. Heidel-, Brom- und Himbeere, Kleearten, Zypressenwolfsmilch, Bir kenblüten
Überwinterung: als Raupe oder Puppe in der bodennahen Krautschicht
Lebensraum: mindestens teilweise besonnte Randbereiche von Gehölzreihen oder Wäldern in Heidegebieten, Mooren und (Nadel-)Wäldern

Marianne Harborg

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