Die stille Rückkehr des Uhus

Drei junge Uhus einer Bodenbrut im Raum Borken (01.05.2020), Foto: Dr. M. Steverding

Kaum zu erkennen liegt das Uhuweibchen dicht am Stamm einer Buche im braunen Laub des Waldbodens. Die Körperhaltung mit leicht abgespreizten Flügeln verrät, dass sich Junge darunter verbergen. Der unscheinbare Nistplatz der großen Eulen liegt in einem der vielen kleinen Wälder rund um Rhede. Der Ort ist nicht besonders abgelegen und gut von einem Trampelpfad aus sichtbar. Jedoch nimmt niemand den meisterhaft getarnten Vogel mit seinem Nachwuchs wahr.

Die Eule, die hier so offen und doch so unglaublich gut verborgen auf dem Waldboden hockt, ist ein wahrer Gigant in der heimischen Vogelwelt: Bei einer Spannweite von bis zu 180 cm und einem Gewicht von etwa drei Kilogramm ist der Uhu die größte Eulenart weltweit. Zudem ist er äußerst wehrhaft, weshalb er es sich leisten kann, so ungeschützt auf dem Waldboden zu brüten. Einen Fuchs in die Flucht zu schlagen ist zumindest für einen erfahrenen Uhu kein Problem.

Als angeblicher Schädling erbarmungslos verfolgt war der Uhu Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland fast ausgerottet. Sein Bestand war auf insgesamt rund 50 Paare zusammengeschrumpft. Durch die Unterschutzstellung und durch gezielte Auswilderungen nachgezüchteter Uhus begann die Population allmählich wieder anzusteigen. In Nordrhein-Westfalen gab es nach der vollständigen Ausrottung die erste Brut im Jahr 1975. Zunächst breitete der Uhu sich im Mittelgebirge aus, später auch im Tiefland. Er brütet nun auch im Raum Rhede – sicher weit über 100 Jahre, vielleicht sogar mehr als 200 Jahre nach seinem Verschwinden.

Der Uhu brütet gern an Felsen und Steinbrüchen, aber er kommt auch im Tiefland gut zurecht. Einige Paare brüten in unserer Region in Sandgruben und anderen Abbaugebieten, die den Felslandschaften der Gebirge strukturell ähnlich sind. Die meisten aber nutzen entweder Greifvogelhorste in Bäumen oder brüten am Waldboden. Uhus sind überaus anpassungsfähig und kommen in fast allen erdenklichen Lebensräumen und Landschaftsformen vor, sofern es genügend Nahrung gibt. Auch die Großstädte an Rhein und Ruhr sind inzwischen von Uhus besiedelt, hier brüten sie vor allem an verschiedenen Bauwerken.

Uhus sind kraftvolle und sehr flexible Beutegreifer, die vor allem die Tiere erbeuten, die jeweils am häufigsten sind. In guten Mäusejahren wie 2020 können Mäuse über Monate hinweg die Hauptnahrung sein. Sehr oft erbeuten die Uhus im Raum Rhede die häufigen Ringeltauben, regelmäßig Krähen und Wanderratten, außerdem auch andere Eulenarten und sogar erwachsene Mäusebussarde. Insgesamt wird der Druck auf die Beutetiere durch den Uhu vermutlich aber nicht größer, da wiederum andere Beutegreifer zu seiner Beute gehören: Greifvögel und Eulen, alle Rabenvogelarten, Wiesel, Marder und junge Füchse.

Angesichts des katastrophalen Artensterbens stimmt es ein wenig hoffnungsvoll, wenn einige Arten es doch schaffen zurückzukehren. Es bleibt zu hoffen, dass der Adler der Nacht (englisch: Eagle Owl = Adlereule) in der heutigen Zeit Akzeptanz findet und nicht wieder an den Rand der Ausrottung getrieben wird.

 

Text und Foto: Dr. Martin Steverding

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