Stellungnahme zum BBV-Leserbrief „Lieber das Atmen einstellen“

Bezugnehmend auf den Leserbrief von Herrn Vogt möchten wir doch dazu noch etwas anmerken.

Sieht so die Baumzukunft in Bocholt aus?

Nach Aussagen von Herrn Vogt sind diese besser geeignet als zum Beispiel diese Eiche.

Der Leserbrief kritisiert auf polemische Art und Weise, alte Bäume würden kein Kohlenstoffdioxid mehr binden, das wäre bei neuen Bäumen jedoch gegeben. Das stimmt so nicht, denn auch alte Bäume legen noch an Biomasse zu (Quelle: Naturwald Akademie: Bäume binden im Alter große Mengen Kohlenstoff) und lässt zwei andere wichtige Aspekte unter den Tisch fallen:

  1. Alte Bäume haben bereits eine große Menge Kohlenstoff in ihren Wurzeln, im Stamm und in den Ästen gespeichert (und Blätter, die zur Energiegewinnung verbrannt werden, wenn sie auf die Straßen oder in den Parks fallen und von der Stadt eingesammelt werden, ermöglichen eine weitgehend klimaneutrale Energiegewinnung). Werden diese alten Bäume gerodet, so zersetzt sich das Holz bzw. wird verbrannt, und es wird dadurch das Kohlenstoffdioxid freigesetzt, das der Baum in den Jahrhunderten seines Lebens gespeichert hat. Junge Bäume brauchen eben diese Jahrhunderte, um den Wert als Kohlenstoffspeicher zu erlangen, den ein alter Baum hat.
  2. Alte Bäume haben einen deutlichen und direkten Einfluss auf das Mikroklima. Die große Blattoberfläche alter Bäume filtert die Luft und neutralisiert Schadstoffe. Auch Feinstaub setzt sich auf den Blättern ab, regnet ab und wird so der Luft entzogen, was zu einer besseren Atemluft in der direkten Umgebung der Bäume führt. Alte Bäume verdunsten viel Wasser, gerade an heißen Tagen bedeutet das einen angenehmen, kühlenden Effekt für die direkte Umgebung. Sie sind somit nicht nur Schattenspender, sie wirken wie eine Klimaanlage und können den Unterschied zwischen angenehmem Aufenthalt vor der eigenen Haustür und Backofen Innenstadt ausmachen. Junge Bäume können dies nicht leisten, weil ihnen einfach die Oberfläche und Größe dazu fehlt.

Die ökologische Wertigkeit von alten Bäumen ist gar nicht ersetzbar, und eventuell nur durch die Anpflanzung von Tausenden von jungen Bäumen rechnerisch zu erreichen. Das kann jeder Laie durch Betrachten der Fotos doch sofort erkennen. Wie viele Tausend Bäume soll Bocholt dann pflanzen und wohin denn, nur um einen rechnerischen Ausgleich zu erhalten?

Sollte man mal über die Inwertsetzung von Ökosystemleistungen nachdenken? Die fehlende Sichtbarkeit von Leistungen und Werten der Biodiversität in unserem Wirtschaftssystem hat die Vernichtung von Naturkapital gefördert. Der Mensch lebt in dieser Natur wie in einem Selbstbedienungsladen, ohne an der Kasse dafür zahlen zu müssen, glaubt er.

Ozeane werden leer gefischt.

Wälder werden ausgebeutet und verbrannt.

Feuchtgebiete werden trocken gelegt.

Hecken und Feldgehölze werden gnadenlos gerodet.

Es findet kein Ende.

Aber Zahlen können wir auch benennen. Die Wirtschaftsleistung der Natur pro Jahr wird vom WWF mit ca. 100 Billionen Euro angegeben. Luft, Sauerstoff, Sonne und Regenwasser stehen noch kostenlos zur Verfügung, keiner würdigt diese Naturleistung und nimmt sie als normal hin. Wenn wir das System beschädigen, und da sind wir derzeit kräftig dabei, werden unsere Kinder und Kindeskinder die Rechnung dafür bezahlen, das ist ganz sicher.

Es geht nicht nur um Kohlendioxid.

Es geht um Vernichtung von Lebensräumen für Mensch und Tier, und wofür? Für noch mehr Autos.

Seit Jahren weiß man das Autos zu ca.80 % nur herumstehen. Seit Jahren weiß man das Autos zu ca. 75 % nur mit einer Person belegt umherfahren. 100 und manchmal 200 Pferdestärken, um einen Menschen von A nach B zu bringen. Stellen Sie sich mal dieses Gedränge auf den Straßen vor, wenn es keine Maschine, sondern noch echte Pferde wären.

Täglich sterben Tausende von Menschen und Tieren durch Autos. Luft, Wasser und Boden werden durch Autoverkehr belastet. Aber immer noch wird von Wahnwitz und Durchdrehen gesprochen, wenn Menschen sich dafür einsetzen, dass die Lebensqualität aller Menschen für die Zukunft verbessert werden kann. Und das nur, weil man den Individualverkehr verändern möchte.

Was bringt es, mit dem Auto noch schneller von A nach B zu kommen, wenn dabei alle damit verbundenen Nachteile einfach außer Acht gelassen werden? Alle reden von Gemeinschaft, doch derzeit bekommt man den Eindruck, fast jeder denke nur an sich selbst. Wenn sich dann andere erdreisten genauer darüber nachzudenken, werden sie auch noch als die Spinner hingestellt.

R. Souilljee für NABU Kreisverband Borken e.V.

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