Nasse Stiefel im Waldgewässer in Vehlingen

Foto: Norbert Osterholt

Am ersten Februarsamstag noch vor dem Schneefall trafen sich NABU Naturschützer zum Pflegeeinsatz an einem Waldgewässer in der Nähe von Vehlingen.

Eine früher einmal vorhandene Anzahl und Vielfalt an Tümpeln, Teichen und Kleingewässern ist bis auf geringe Einzelgewässer nicht mehr existent. Die Industrialisierung und Monotonisierung der Landschaft und die hohen Nährstoffanreicherungen in der Umwelt reduzierten diese für die Biodiversität so hochbedeutsamen nassen Strukturen. Der NABU kümmert sich um solche Biotope.

Der kleine Waldsee in Vehlingen zeigte sich bei der Ankunft dschungelartig zugewachsen. Die hohen Stickstoffeinbringungen in die Naturkreisläufe lassen Weiden und Brombeeren wuchern. So war das Gewässer schon fast erstickt. Die Wassergüte leidet, wenn Licht und Luft fehlen und hinzukommend allgemeine Trockenheit dominiert. Dann können wasserabhängige Pflanzen, Insekten, Amphibien und Lebewesen aller Art nicht mehr nötige Lebenskreisläufe aufrechterhalten. Würde der NABU solche Pflegemaßnahmen nicht machen, wäre die komplette Verlandung und das biologische Ende z. B. dieses  Gewässers nur eine Frage der Zeit.

Die angerückten NABU Helfer mussten daher kräftige Pflegemaßnahmen und Rückschnitte leisten, dies auch im Wasser. Alles verdrängenden Weiden waren schon bis in das Gewässerzentrum vorgedrungen. Die Arbeiten erwiesen sich aufgrund des steilen und rutschigen Uferbereiches recht kompliziert. So gab es viele nasse Hosen und Stiefel. Jedoch: Kooperativ  werden schwierige Aktionen geleistet und das auch mit Spaß. Letztlich wurde ein beachtliches Stück Arbeit geleistet. Der Waldsee mit all seinen Bewohnern hat nun wieder Raum, Luft und Licht.

Viele NABU Helfer sind langjährig erfahrene und zertifizierte Naturschützer. Sie leiten diese Maßnahmen stets im Hinblick auf die jeweilige ökologische Bedingungslage. Bäume und Sträucher werden so geschnitten , dass das Brut- und Sicherheitsverhalten der Tiere und ihre Ernährungssituation berücksichtigt wird. Zu stark ausgebreitete Vegetation kann diese durch Schattenbildung und gebremste Sonneneinstrahlung ungünstig beeinflussen .

Für Gewässerlebensräume bedeutet dies, dass seltene Pflanzen nicht wachsen, wichtige Insekten als Nahrung und Bestäuber fehlen. Wassertemperaturen werden negativ beeinträchtigt. Dies betrifft Amphibien, wie z. B. Molche. Sie benötigen wärmere Wasserbereiche für ihre Laichlagen, beschattete also kühlere Bereiche als Rückzugsort. Hier sind durchdachte Pflegeeingriffe nötig.

Das Wissen über diese komplexen und zum Teil komplizierten Zusammenhänge schützenswerter Lebensräume und ihrer Arten kennen NABU Pfleger aus vielen Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit und durch zertifizierte Schulung und Fortbildung. Einsätze erfolgen im Auftrag, in Rücksprache und Evaluation mit den Landschaftsschutzbehörden des Kreises, der Bezirksregierung und den biologischen Stationen.

Pflegeschnitte, auch das Rückschneiden und Fällen von Bäumen erfolgen immer auf Basis nötigen Naturschutzes und der Sicherung und  Optimierung naturnaher Lebensräume. Hieran gekoppelt, besitzen NABU – Intentionen entscheidende Unterschiede zu privaten oder öffentlichen Holzschnittaktionen und Baumfällungen. Dies resultieren oft aus Gründen der Wirtschaftlichkeit oder fragwürdiger Landschaftskosmetik , aus Maßnahmen der Verkehrswege- oder Urbanisationserweiterung oder sind in Interessenslagen der Agrar- und Forstindustrie eingebunden .

Text und Fotos: Norbert Osterholt