Stellungnahme des NABU-Kreisverbandes zum Fahrzeugbestand im Kreis Borken

Von einer „Rekordmarke“ spricht Hendrik Schuurmann, der Leiter der Zulassungsstelle des Kreises Borken angesichts von 334.877 erfassten Fahrzeugen. Aus Sicht des Naturschutzbundes handelt es sich dabei allerdings um einen traurigen Rekordwert! Dass immer mehr Fahrzeuge zugelassen werden, verdeutlicht einmal mehr das Scheitern der Politik eine nachhaltige Verkehrswende im Kreis Borken zu gestalten. Die Zunahme des motorisierten Individualverkehrs ist in dieser Zeit der massiven Erderwärmung ein Alarmzeichen. Bislang war im Kreis Borken die Antwort auf die Zunahme von Kfz der Straßenbau. Auch gegenwärtig sind weitere Straßen in Planung und Bau. Doch noch mehr Straßen erzeugen noch mehr motorisierten Individualverkehr. Es muss aus Sicht des NABU endlich eine Trendwende eingeläutet werden, die die Förderung des Fahrradverkehrs und des ÖPNV priorisiert. Dazu bedarf es eines gut getakteten und zuverlässigen ÖPNV ebenso, wie auch dem Vorrang des Radverkehrs auf den bestehenden Straßen. Dem Autofahrer muss Platz genommen und diesem dem Radfahrer gegeben werden.

Der Kreis Borken und die Kommunen im Kreis sollte sich zudem um die Realisierung der Schnellbusverbindung Bocholt-Vreden-Gronau-Bad Bentheim („Baumwollexpress“) bemühen, sodass der Kreis Borken eine weitere Busverbindung als alternativ zum motorisierten Individualverkehr aufweisen kann. Insbesondere auch die ICE-Verbindung von Bad Bentheim nach Hannover und Berlin ist diesbezüglich zu nennen. Zur Förderung des ÖPNV in unserer diesbezüglich schwach aufgestellten Region gehört neben einer verlässlichen und attraktiven Taktung auch ein moderater Fahrpreis, der einen Anreiz schafft vom Auto auf den Bus oder die Bahn umzusteigen.

Wir als NABU-Kreisverband Borken fordern als Reaktion auf die Rekordmarke, dass nun über Maßnahmen zur Begrenzung der motorisierten Fahrzeuge nachgedacht wird. Nur durch interkommunale Verkehrs- und Mobilitätskonzepte kann sich der Kreis Borken zukünftig gut entwickeln.

Die Zahl von ca. 335.000 Fahrzeugen muss auch in Relation zur Einwohnerzahl von ca. 371.000 im Kreis Borken betrachtet werden. Das immer breiter und schwerer werdende Auto (viele SUV) dominiert die Straße, es kommt zu vielen Unfällen mit schwächeren Verkehrsteilnehmen, die Städte sind durch das Verkehrsaufkommen unruhig, hektisch und deshalb zunehmend weniger attraktiv. Die Fahrzeuge nehmen den Menschen Raum zu leben. Kinder können nicht mehr auf Straßen spielen, Vorgärten werden zur Schaffung weiterer Parkplätze zugepflastert. Es wird dringend Zeit, dass die Kommunen im Kreis Borken, der Kreistag und die Kreisverwaltung diese unselige Entwicklung bremsen und die dringend notwendige Trendwende in Bezug auf eine zukunftsfähige und klimaneutrale Mobilität mit Hochdruck angehen. Noch mehr Fahrzeuge führen den Kreis Borken ins Abseits!

Michael Kempkes

Vorsitzender