Stellungnahme des NABU zur geplanten Bebauung des Aasee-Ufers

Blick auf dem Aasee in Bocholt. Foto: NABU-KV Borken e. V.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der NABU-Kreisverband Borken e.V. und seine Ortsgruppe Bocholt lehnen die Änderung des Bebauungsplanes SO 28 und des zugehörigen FNP`s für das Gebiet westlich der Bocholter Aa, östlich der Uhlandstraße und südlich des Wohnmobilstellplatzes vollständig ab.

Die Begründung zur B-Plan-Änderung argumentiert mit der Stärkung des Aasees als Standort für Freizeit und Erholung durch die Errichtung von Speisegastronomiebetrieben. Die unmittelbare Nähe des Standorts zur Wasserlinie und der mögliche Bau von Plattformen für Außengastronomie am Ufer des Aasees (S.6 d. Begründung, Pkt. 5.7) stellen jedoch einen schweren Eingriff in den Naturhaushalt dar, den der Naturschutzbund nur ablehnen kann. Leider hat es die Stadtverwaltung nicht für nötig erachtet, Alternativstandorte in etwas weiterer Entfernung (z.B. im Bereich der vorhandenen Parkplätze) zu untersuchen. Der angesprochene vorhandene Gastronomiebetrieb liegt immerhin ca.100m von der Wasserlinie entfernt.

 

Wir haben dazu folgende Einwände:

 

– die Bebauung des Uferbereiches wäre auch aus städtebaulicher Sicht eine Negativentwicklung. Jeder Mensch, der über die Uhlandstraße in Bocholt hereinfährt, kann jetzt auf einen einladend wirkenden Grünbereich mit dem Aasee im Hintergrund blicken. Hier hat man eine der malerischsten Perspektiven von Bocholt, nämlich entlang der Längsachse des gesamten Aa-Sees mit seinen Uferbäumen bis hin zum Waldhügel am Südufer. Diese attraktive Optik würde durch eine Bebauung unwiederbringlich vernichtet, denn der Planentwurf sieht 2 Baufelder mit einer Gesamtgröße von 2250qm bei einer Gebäudehöhe von 9m vor (S.6 Pkte. 5.1 u 5.2 der Begründung)

 

– auf dem überplanten Gebiet stehen einige gesunde Bäume, die dort vor Jahrzehnten angepflanzt worden sind. Jeder gesunde Baum ist mittlerweile für die Stabilisierung des innerstädtischen Klimas unverzichtbar! Mit großer Sorge nehmen wir wahr, dass in Bocholt noch immer Flächen überplant werden, auf denen alte Bäume stehen. Das ist unverantwortlich! Die Ausweisung der Baufelder erfordert die Fällung einer im Umweltbericht nicht näher bezifferten Anzahl von Bäumen und die Rodung von Grünflächen mit negativen Folgen für die Tierfauna, insbesondere den im Plangebiet vorkommenden vier Fledermausarten. Die im Umweltbericht genannte Breitflügelfledermaus (S.19) steht in der Roten Liste NRW in der Kategorie 2 (´Stark gefährdet`). Die Ausführungen über das Tötungsrisiko und die gegebene Gefahr einer Lebensraumverkleinerung für die Fledermäuse (S.19+20 Umweltbericht) lassen erahnen, daß selbst die Autoren des Umweltberichts von starken negativen Folgen der Baumaßnahmen ausgehen! Leider wurde in die Betrachtung der Umweltfolgen der nächtliche Besucherverkehr und der damit verbundene Lärm- und Störeffekt nicht berücksichtigt.

 

– zudem würden durch diese unsinnige Baumaßnahme weitere Grünflächen versiegelt. Durch zusätzliche Gebäude wird das innerstädtische Klima weiter aufgeheizt, zugleich nimmt dadurch die Niederschlagswahrscheinlichkeit weiter ab. Eine Entsiegelung versiegelter Flächen ist als Ausgleichsmaßnahme nicht vorgesehen, lediglich eine Ausgleichspflanzung am 5km entfernten Wasserwerk Mussum (Ausgleichspool 15, S.26 Umweltbericht)

 

– die Auswirkungen der Baumaßnahme auf das innerstädtische Klima sind nicht annähernd hinreichend dargestellt. Die insgesamt 90m langen und 9m hohen Gebäudefassaden stellen eine signifikante Barriere für den Aasee als wichtige innerstädtische Frischluftschneise dar!

 

– die Ansiedlung eines Steak-Hauses ist klimapolitisch unverantwortlich, da die Fleischproduktion sehr klimaschädlich ist.

 

– die Ansiedlung von Restaurants, die zu Ketten gehören, ist weder nachhaltig noch nutzt es der heimischen Gastronomie – im Gegenteil sogar: diese finanzstarke Konkurrenz schadet der heimischen Gastronomie. In allen Konsumbereichen ist die regionale Herkunft der Produkte zu fördern. Das wird bei der Auswahl der vorgesehenen Restaurants überhaupt nicht berücksichtigt.

Kurzum: Die Bauplanung verdeutlicht einmal mehr ein fehlende „ökologische Sensibilität“ im Bauamt, die auch bereits in den vergangenen Jahren zu erheblichen, teils gar irreversiblen Schäden geführt hat.

 

gez. Michael Kempkes (Kreisverbandsvorsitzender)

Dipl.- Ing. Hans-Josef van Hüth